Bahn droht mit Kahlschlag

Die Deutsche Bahn plant, ab Dezember 2011 gleich mehrere IC-Verbindungen entlang der Moselstrecke in die Europastadt Luxemburg zu streichen. Dazu erklärt der Trierer Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der CDU Trier-Stadt, Bernhard Kaster, MdB:

„Während wir im vereinten Europa wirtschaftlich immer enger zusammenarbeiten, marschiert Bahnchef Grube in die entgegen gesetzte Richtung: Er will ausgerechnet jetzt die Europastadt Luxemburg vom Fernverkehr der Deutschen Bahn abkoppeln! Bereits ab Dezember 2011, mit dem nächsten Winterfahrplan, sollen insgesamt fünf IC-Verbindungen entlang der Moselstrecke in unser Nachbarland entfallen. Auch die ICE-Verbindung Trier-Berlin steht auf der Kippe. Es verblieben dann gerade noch zwei InterCity, die täglich über Koblenz und Trier den Sitz zahlreicher EU-Institutionen, darunter den Europäischen Gerichtshof und den Euro-Rettungsfonds EFSF, direkt anfahren. Die Bahn argumentiert mit ‚mangelnder Wirtschaftlichkeit‘ der Verbindungen und kann sich mit dem Land Rheinland-Pfalz nicht über Ausgleichszahlungen für die Öffnung der Fernverkehrsangebote auch für den Nahverkehr in Höhe von zwei Millionen Euro jährlich einigen. Das Land seinerseits wartet lediglich mit Schuldzuweisungen an Bahn und Bund auf!
Völlig aberwitzig wird die alles jedoch mit Blick auf den gleichzeitig fest vereinbarten, zweigleisigen Ausbau eines bislang noch eingleisigen kurzen Streckenabschnitts an der deutsch-luxemburgischen Grenze bei Igel. Obwohl auf deutscher Seite gelegen, wollen sich unsere luxemburgischen Nachbarn daran mit rund acht Millionen Euro eigener Steuergelder beteiligen, um diese einzige Schienenverbindung nach Deutschland zu verbessern. Die Reaktion der Deutschen Bahn: Sie will Fernzüge reduzieren!

Ich kann gut verstehen, dass man sich in Luxemburg inzwischen einigermaßen ‚verschaukelt‘ vorkommt, zumal es auch hier erst eines Machtwortes der Bundeskanzlerin bedurfte, bis sich wiederum die Deutsche Bahn und das Land dazu bequemten, dieses Projekt wirklich ernsthaft voran zu treiben.

Für mich steht allmählich fest: Bahnchef Grube versteht Europa nicht! So betriebsblind jedenfalls können wir nicht mit einem engen europäischen Partnerland umgehen, das zudem tausenden deutscher Arbeitnehmer im Grenzgebiet von Eifel, Mosel, Hunsrück und dem Saarland eine berufliche Perspektive bietet. Handel, Handwerk und Mittelstand der ganzen Großregion profitieren von dieser europäischen Modellregion. Zum Vergleich: Frankreich honoriert die Bedeutung Luxemburgs mit sechs TGV-Verbindungen nach Paris pro Tag!
Ich appelliere eindringlich an Bahnchef Grube und Ministerpräsident Beck, ihren Streit zu Lasten Luxemburgs wie auch der Bürger in der Region Trier endlich beizulegen und den Fernverkehr zu sichern!“